Interview mit Kostümdesignerin Penny Rose
Geschrieben von Prince2004   
Montag, 17. Mai 2010
 
PENNY ROSE - KOSTÜMDESIGN
 
Penny Rose hat mit Produzent Jerry Bruckheimer nicht nur bei allen drei PIRATES OF THE CARIBBEAN-Filmen, sondern auch bei KING ARTHUR („King Arthur“, 2004) zusammengearbeitet. Darüber hinaus entwarf sie in ihrer langen und bemerkenswerten Karriere die Kostüme für Blockbuster wie MISSION IMPOSSIBLE („Mission: Impossible“, 1996) und EVITA („Evita“, 1996), für Komödien wie THE PARENT TRAP („Ein Zwilling kommt selten allein“, 1998) und zuletzt auch ST. TRINIANS („Die Girls von St. Trinians“, 2007) mit Gemma Arterton in einer der Hauptrollen, die jetzt in PRINCE OF PERSIA - DER SAND DER ZEIT Prinzessin Tamina verkörpert.
 
Viele der Kostüme des Films wurden in Marokko angefertigt. Welche Herausforderungen waren damit für Sie verbunden?
Penny Rose: In einer marokkanischen Fabrik arbeiteten für uns 80 Leute, darunter Schneider, Näherinnen, Färber und Menschen, die dafür sorgten, dass Kleidungsstücke gebraucht, gealtert oder verschlissen aussahen. Darüber hinaus hatten wir auch einen Stiefelmacher, einen Hutmacher und einen Schmuckdesigner.
Insgesamt fertigten wir etwa 7.000 Kostüme an, eine gewaltige Aufgabe. Die Marokkaner sind sehr clever. Viele Filme werden in diesem Land gedreht. Die Fertigkeiten haben sie also, sie brauchen nur unsere Führung.
 
 
Welche Ideen hatten sie für das Kostümdesign, der Film ist doch im Grunde reine Fantasie?
Penny Rose: Die Handlung von PRINCE OF PERSIA - DER SAND DER ZEIT ist im Jahr 500 nach Christus angesiedelt. Deshalb erstellte ein Team von Rechercheuren in sechswöchiger Arbeit Bildertafeln, die eine bestimmte Stimmung und Atmosphäre vermittelten, die mir ein Gefühl für die Zeit gaben. Man braucht etwas fürs Auge. Außerdem haben sie Tafeln mit Bildern von jeder Art Kopfbedeckung und Kopfschmuck zusammengestellt. Während der Dreharbeiten herrschten Temperaturen von 45 Grad, deshalb mussten die Köpfe der Darsteller geschützt werden. Von all diesen Bildern haben wir einen riesigen Querschnitt erstellt. Es mag ein Fantasyfilm sein, aber wir recherchieren gründlich. Man braucht einen Ausgangspunkt für Fantasy und lässt dann die Grenzen ein bisschen aufweichen. Außerdem drehen wir einen Disney-Film, haben also ein eher jüngeres Publikum. Was ich mache, muss 15-jährigen Jungs gefallen, sie müssen sich mit den Kostümen identifizieren können. Das betrifft besonders die Panzerungen und Rüstungen wie auch die großen Gürtel – das alles regt ihre Fantasie an. Wir verkaufen die Kostüme zwar nicht, aber nach dem Start des Films wird man viele der hier gezeigten Ideen wahrscheinlich in Halloween-Kostümen wiedersehen.
 
 
Wo haben Sie die vielen Materialien gefunden, die Sie für die Anfertigung der Kostüme benötigten?
Penny Rose: Wir, mein Designteam und ich, insgesamt also vier Leute, haben auf der ganzen Welt eingekauft. Wir schickten jemanden nach Thailand, nach Indien und in die Türkei. Ich selbst übernahm Paris und Italien. Ich habe auch bei einer Dame in Los Angeles eingekauft, deren Mann der Kulturattaché Afghanistans ist. Sie fertigt Wandteppiche an, aus denen ich dann Kostüme machte. In einem Second-hand-Laden in New York fand ich ein indisches Brauttuch und einen dazu passenden Rock. Jemand hat dann in mühseliger Kleinarbeit Stücke herausgeschnitten, die wir dann als Dekor-Elemente für Kostüme benutzten.
 
Ich gebe vielleicht 100 Dollar für dieses Tuch und diesen Rock aus, aber wenn ich verschiedene Elemente davon benutze und das Ganze eingefärbt habe, haben vielleicht fünf Kostüme davon profitiert. Und keiner wird das erkennen. Das ist viel preisgünstiger als unsere andere Methode, die computergesteuerte Stickerei mit einem Laser. Hier wird das Original eingescannt, jede Farbe exakt angeglichen und das Muster dann auf meinen Stoff reproduziert, der bereits auf die Größe geschnitten ist, die ich brauche. Auf diese Methode greife ich zurück, wenn ich mehrere gleiche Outfits brauche, das geht mit dieser Maschine schneller als mit der Hand.
 
 
Wenn Sie einen bestimmten Stoff kaufen, haben Sie da schon eine Vorstellung, wer darin gut aussehen würde? 
Penny Rose: Ich entscheide mich nicht für ein Kostüm und suche dann nach den dafür benötigten Stoffen. Ich kaufe alle Stoffe, von denen ich glaube, dass ich sie brauchen könnte. Und wenn dann die Schauspieler vor uns stehen, entscheiden wir, wer was tragen wird. Ich finde es schwierig, ein Kostüm zu entwerfen, bevor ich weiß, wer es tragen wird. Für Alfred Molinas Kostüm ließ ich mich von einem Buch mit dem Titel „The Orientalists“ inspirieren. Darin geht es auch um ein echtes Wüstenvolk.
 
In Indien kauften wir Bettdecken und Decken, die aus vier verschiedenen Saris angefertigt waren. Dann haben wir die Decken mit einer Käsereibe bearbeitet, damit das Kostüm auch etwas verschlissen wie das eines Nomaden aussieht. Man konnte jede einzelne textile Struktur erkennen. Es war eine schwierige Arbeit, denn Alfred brauchte sechs von diesen Outfits. Es gehörte eine komplizierte Rechnerei dazu, um aus 20 Decken sechs Kostüme anfertigen zu können. Jede einzelne Decke wurde in Streifen geschnitten, diese dann angepasst, denn der Kontinuität wegen, die man bei einem Film braucht, muss alles gleich aussehen.
 
 
Wie kamen Sie auf Jake Gyllenhaals Look als Prinz von Persien?
Penny Rose: Für Jakes Kostüm fand ich eine persische Originalstickerei, die wahrscheinlich 700 oder 800 Jahre alt war. Sie haben wir als Inspiration für Jakes markante Jacke benutzt. Für jede einzelne seiner Jacken war eine Woche Arbeit nötig. Aber inmitten der ganzen Action mit Rauch und Stunts verleiht diese Jacke Identität, so dass man Dastan in diesen Szenen erkennen wird.
 
 
Worin liegt die größte Schwierigkeit, wenn man so viele Kostüme, von denen jedes anders aussehen muss, anfertigen muss?
Penny Rose: Die Abteilung, die die Kostüme abgenutzt oder gealtert erscheinen lässt, gehört zu den wichtigsten im ganzen Team. In dieser Abteilung arbeiteten 24 Leute, die nur damit und mit dem Färben beschäftigt waren. Nichts von dem, was wir für den Film benutzen, hat noch seinen ursprünglichen Zustand. Man muss es von Hand ramponieren. Bei Alfred Molinas Kostüm war das nicht anders. Es musste subtil zu erkennen sein, dass es einmal prächtig gewesen ist.
 
Erzählen Sie uns bitte einen Berufstrick, auf den Sie für die Dreharbeiten zurückgegriffen haben.
Penny Rose: Ich habe aus Indien einen Restposten weißer Bettdecken aufgekauft, etwa 50 Stück, die alle leicht beschädigt waren. Daraus entstanden, in verschiedenen Pilztönen gefärbt, die Kostüme für die Priester.
 
 
Wie beeinflussen bestimmte Farben das Kostümdesign?
Penny Rose: Wir entschieden schon früh, dass es dem Zuschauer nützen könnte, wenn wir Alamut, die Heimatstadt der Prinzessin, in Cremefarben tauchen. Es sind sehr religiöse Menschen und über die Farbe kann man sie erkennen. In den Kampfszenen mit den Persern sieht man an der Kleidung, wer zu welcher Seite gehört.
 
 
Wie unterschied sich Ihre Arbeit von der bei der PIRATES OF THE CARIBBEAN-Trilogie? 
Penny Rose: Wir haben diese ganze Show mit wesentlich weniger Leih-Kostümen produziert als noch bei PIRATES.... In Marokko werden wir immer selbst anfertigen können und nicht ausleihen müssen. Wir fertigten hier einige tausend Kostüme mehr selbst an als noch bei PIRATES...
 
 
Haben Sie ein Lieblingskostüm?
Penny Rose: Ja, Dastans Langjacke. Ich war hartnäckig wie ein Terrier, so entschlossen, dass diese Jacke eine eigene Identität haben musste. Sie ist sehr schlicht, hat die wenigsten Lederelemente, aber sie ist ikonisch, und Jake liebt sie. So sind wir beide glücklich. Noch bevor ich Jake traf, wollte ich sie für den Film benutzen, spürte, dass das guter Heldenstoff war. Wenn er sie aber nicht gemocht hätte, hätte ich auf sie verzichtet. Für mich ist es von entscheidender Bedeutung, dass Schauspieler ihre Kostüme mögen, sich wohl darin fühlen.
 
 
Haben Sie sich für das Kostümdesign irgendwie von den Videospielen inspirieren lassen?

Penny Rose: Unsere Kostüme verweisen auf die Spiele. Als ich Madonna für EVITA einkleidete, wollte ich vorher unter keinen Umständen die Bühnenfassung sehen. Ich wollte einen eigenen Weg finden, ohne andere Einflüsse. Natürlich ist dieser Film aus dem Videogame heraus entwickelt, aber ich möchte nicht von Inspiration sprechen. Das Game gibt jedoch eine Richtlinie vor. In einem Videospiel sind die Charaktere eindimensional. Sie bewegen sich zwar, aber die Kleidung fließt nicht. Das zu ändern, war mir wichtig. Jake wollte seine Lederweste gekürzt haben, glaubte, sie würde ihn in der Bewegung behindern. Ich wich aber nicht von meiner Linie ab. Wenn man sich bewegt, braucht man Länge, braucht man das Flattern und Herumschlagen des Materials. Das sieht dramatisch aus. Hätte ich es gekürzt, wäre er nur ein anderer langbeiniger Kerl in Bewegung gewesen.

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